Das heutige Thema des Webmaster Friday ”Ich als Kind” nehme ich mal als Anlaß, mich über meine etwas frustrierende Kindheit auszulassen
Geboren 1952 in Hamburg – 1956 nach Berlin übergesiedelt. In den Nachkriegsjahren war für viele das “Kind sein” sicher nicht einfach, “wir hatten ja nichts”. Positiv betrachtet, waren wir in unserem Spiel- und Lerndrang sicher sehr viel einfallsreicher, bauten unsere Spielzeug eben selber, improvisierten viel, bzw. unsere Eltern
Stichwort Eltern: in diesem Punkt habe ich wohl mal gleich die Arschkarte gezogen. Eigentlich ein sog. gutbürgerliches Elternhaus, Mutter Sekretärin, Vater Staatsbediensteter. Im Krieg war mein alter Herr als Luftwaffen-Hauptfeldwebel und Feuerwerker unter Rommel in Afrika eingesetzt. In den Nachkriegsjahren hatte er sich in Berlin freiwillig zu Bomben-Entschärfung gemeldet. Hätte er lassen sollen, als so ein Ding zu früh hoch ging, flatterten ihm die Nerven und er betäubte sich zum ersten Mal mit Alkohol. Dabei bleib es dann auch, seine Alki-Eskapaden zogen sich wie ein rotes Tuch durch meine Kindheit und Jugend. Sein gutes Beamtengehalt blieb, genau wie die Familie, dabei auf der Strecke. Erschwerend war seine Erz-konservative Einstellung zur Erziehung seiner 3 Kinder, achja, da waren auch noch 2 ältere Schwestern. Ich war so eine Art Nachgeburt, da sein sog. “Erstgeborener” am Kindbettfieber verstorben war. Er hat mich in Streitsituationenn neben der obligatorischen Prügel auch immer spüren lassen, das ich nur ein Ersatzsohn bin, damit unsere Familienlinie sprich Stammbaum nicht ausstirbt. Danke Papa…
Es gab wenig Gemeinsamkeiten in meiner Jugend, ich kann mich dunkel erinnern, das ich auch mal den Berliner Zoo und einen Zirkus von innen gesehen hatte. So lernte ich früh, selbständig und auf mich allein gestellt zu sein, mit Gefühlen unterschiedlichster Art allein fertig zu werden. Meine Schwestern hatten es etwas besser, sie zogen es vor sich mit 18 schwängern zu lassen und so frühzeitig ihre eigene Familie zu gründen. Ich durfte etwas länger im Elternhaus ausharren, weil meine Mutter frühzeitig an Krebs erkrankte. Mit 16 war es neben meiner Ausbildung noch eine selbst auferlegte Verpflichtung, meine Mutter im Haushalt zu unterstützen. Praktischer Vorteil war, ich lernte sehr früh kochen und häusliche Sauberkeit!
Achja, da war noch ein Lichtblick: unser Schäferhund, der mich wenigstens geliebt hat. Man sagt, ich hätte immer mit ihr (Hündin) zusammen auf der Decke gelegen… Daher wohl auch mein anhaltende Zuneigung zum bellenden Haustier.
Nun ja, beide sind relativ früh verstorben und ich bedaure manchmal auch heute noch gedanklich, kein schöneres, gefühlvolleres Elternhaus gehabt zu haben. Aber alles Schnee von Gestern, Friede ihrer Asche…




26. August 2011 um 19:27 Uhr
Hallo Wolfgang,
das klingt wirklich nicht nach einer ungetrübten Kindheit. Obwohl … Haue (schon mal mit dem Kochlöffel) habe ich als Kind auch bekommen und als Teenager hat mein Vater wohl oft die Pimpanellen mit mir gekriegt. Da war ich anscheinend etwas unerträglich
Aber ich glaube, das hat mir dann nicht so immens geschadet, daher erinnere ich mich immer erst an die positiven Erlebnisse.
Gruß Sylvi
26. August 2011 um 21:08 Uhr
Och, da kann ich mit Ledergürtel und Kleiderbügel mithalten…
26. August 2011 um 21:14 Uhr
Ja, damals war man nicht allzu zimperlich
27. August 2011 um 18:59 Uhr
Hallo Wolfgang, damals hatten aber die meisten Kinder nichts und haben sich eher miteinander beschäftigt. Ist das heute besser? Ich meine, die Kids sitzen doch nur noch allein vor der Glotze oder Spielekonsole.
28. August 2011 um 12:49 Uhr
ja es waren schwere Zeiten…wen ich über die Nachkriegszeit nachdenke, habe ich gemischte Gefühle…ok viele Kinder waren auf sich allein gestellt…andererseits waren sie somit fit fürs Leben und haben so einiges auf die Beine gestellt…Andererseits sind wir Deutsche selber an allem schuld..euphorisch in den Krieg gegen Russland gezogen…haben wir bekommen was wir wollten…(natürlich ironisch gemeint)
28. August 2011 um 17:05 Uhr
Mensch Wolle, wenn ich die Bilder so sehe – warst ja ein richtiger Herzensbrecher!
Was den Alkohol angeht. Der sollte endlich als das behandelt werden was er ist – eine Droge!
Ich habe in meiner Familie vier Alkoholiker erleben dürfen, Gott sei Dank nur in der Verwandtschaft bzw. in der Familie meiner Frau, das hat mir gereicht.
28. August 2011 um 17:13 Uhr
Stimmt wirklich, ich war der Sonnenschein aller Tanten, Omas, etc… Hat sich immer positiv auf kleine Geldspenden ausgewirkt, die dann doch in der Tasche meines alten Herrn landeten
)
7. September 2011 um 18:51 Uhr
Sehr traurig, tut mir Leid, das Du nicht in den Genuss einer kindgerechten, liebevollen Kindheit kamst. Vor allem Dein Vater, tztztz, es gibt fast nichts schlimmeres, als wehrlos einem frustrierten Alkoholiker ausgesetzt zu sein! Fühle Dich im nach hinein von mir fest gedrückt!
Lieben aber-Du-warst-ein-feiner-und-kochen-kannst-Du-auch-Gruß, Erdbeere
8. September 2011 um 01:22 Uhr
Ich bedaure daran nur meine eigene Unfähigkeit Gefühle und Emotionen nach außen zu tragen… Aber mit meinen fast 60 Lenzen mach ich mir keinen Kopp mehr darum – Cest la vie…